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Die systemische Ordnung sozialer Beziehungssysteme

| Lebenshilfe | 1. Februar 2012

Stephanie Hofschlaeger_pixelio.de

Grundsätzlich werden in der Praxis der systemischen Berater Gegenwarts- und Herkunftssystem unterschieden:

  1. Das Gegenwartssystem ist potenziell unendlich; es umfasst sowohl die gegenwärtige Familie (Beziehungspartner und eigene Kinder) als auch alle anderen sozialen Beziehungen, wie z.B. die Arbeitskollegen oder die Haustiere (zumindest in den westlichen Industrieländern).
  2. Das Herkunftssystem ist in erster Linie auf blutsverwandte Vorfahren beschränkt. Nicht-blutsverwandte Personen können zum Herkunftssystem dazugehören, wenn an ihnen von einem/einer leiblichen Vorfahren/-in ein Kapitalverbrechen verübt wurde oder wenn es sich um einen vormaligen Beziehungspartner eines Elternteils handelt, der nicht mit der Trennung einverstanden war. – Lebensretter gehören zwar zum Gegenwartssystem des Geretteten, aber sie haben ansonsten keinen Einfluss auf das Familiensystem.
  3. Der gravierendste Unterschied zwischen einem Familiensystem und z.B. dem sozialen Beziehungssystem am Arbeitsplatz ist, dass die Zugehörigkeit zu einer Firma oder einer Organisation auflösbar ist, die Zugehörigkeit zum Familiensystem jedoch zeitlebens bestehen bleibt.

Prinzipiell sind alle sozialen Systeme (aus Sicht der systemischen Berater) hierarchisch geordnet, d.h. je nach Beginn der Zugehörigkeit des Individuums zum jeweiligen System. Für Familiensysteme hat das folgende Konsequenzen:

  1. Vorfahren (z.B. Eltern) haben in der systemischen Hierarchie einen Vorrang vor Nachfahren (z.B. Kinder).
  2. In einer Paarbeziehung hat derjenige Partner den Vorrang, der durch sein Einkommen das Familiensystem allein oder hauptsächlich am Leben erhält.
  3. Jeder Blutsverwandte hat ein Recht auf Zugehörigkeit zum Familiensystem: Zum Beispiel ist eine Adoption bzw. die Freigabe eines Kindes zur Adoption aus systemischer Sicht nicht möglich.
  4. Unter Halbgeschwistern gilt ausschließlich die Hierarchie, die sich aus dem Zeitpunkt der Geburt ergibt – wie unter “normalen” Geschwistern auch.

Das Unterbewusstsein des Individuums ist familienbezogen bis hin zur Selbstzerstörung: Die unbewussten Muster, die jeden Menschen an das Schicksal der anderen Familienmitglieder bindet, wird gemeinhin als “Verstrickung” bezeichnet. Der Begriff der Verstrickung ist hierbei als eine tiefe Verbundenheit mit den Vorfahren zu verstehen. Solche “Verstrickungen” funktionieren auch dann, wenn die Kinder nicht bei ihren leiblichen Eltern aufwachsen! Es ist bis jetzt wissenschaftlich (noch) nicht abschließend geklärt, wie so etwas möglich ist (interessante Erklärungsansätze liefern z.B. Prof. Dr. Joachim Bauer in seinem Buch “Warum ich fühle, was du fühlst” oder Sir John C. Eccles in “Wie das Selbst sein Gehirn steuert“).

Der Begriff “Verstrickung” ist in der Praxis der systemischen Berater negativ belegt, jedoch gibt es tatsächlich auch so etwas wie “erfreuliche” Verstrickungen (z.B. wirtschaftlicher Erfolg als Familientradition). Das bedeutet, dass alle Menschen prinzipiell eine Verstrickung mit den Angehörigen ihrer Herkunftssysteme aufweisen müssen (!), egal in welcher Form. Diese Betrachtungsweise spielt für die Praxis jedoch keine Rolle, da Menschen einen systemischen Berater ausschließlich dann frequentieren, wenn sie ein Problem lösen wollen.

Eine (negative) Verstrickung kann durch reflexives Denken zwar erkannt, aber nicht ausgeschaltet werden, da das Unterbewusstsein rationalem Denken nicht zugänglich ist. Spezielle Methoden, wie z.B. Systemaufstellungen, NLP, etc., können jedoch die unbewusste “Instanz”, die Menschen an das Schicksal der anderen Familienmitglieder bindet, außer Kraft setzen.

Unser Autor ist systemischer Aufsteller in Bochum
Christian Brandau
Annastraße 25
44793 Bochum
info@christian-brandau.de

christian-brandau.de

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